Kreis Heinsberg

W(uff): So teuer kann ein Hund sein

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Ob Mops, Schäferhund oder Bulldogge – der geliebte Vierbeiner kann teuer werden, je nachdem wo er mit Herrchen wohnt. In diesem Jahr hat der Bund der Steuerzahler (BdSt NRW) erstmals die Hundesteuer in allen NRW-Kommunen verglichen. Die unterschiedlichen Steuersätze könnten uneinheitlicher kaum sein. Demnach ist die Haltung eines Hundes in Lienen mit 24 im Jahr am günstigsten, in Hagen mit 180 Euro im Jahr am teuersten.
Ähnlich unterschiedlich setzen die Kommunen im Kreis Heinsberg die Steuern an. Während man in Waldfeucht gerade einmal 42 Euro pro erstem Hund zahlen muss, gehen in Wegberg satte 90 Euro an die Stadt. Gleiches gilt, wenn es um die Möglichkeit der Steuerbefreiung von Hunden aus dem Tierheim geht. Diese wird lediglich in Hückelhoven und Erkelenz für ein Jahr gewährt.
Liegen die Wurzeln der Hundesteuer noch im 15. Jahrhundert, hat sie sich inzwischen so etabliert, dass seit 2011 alle NRW-Kommunen zulangen. Sehr zum Ärger vieler Hundebesitzer. Denn: Heute ist die Hundesteuer eine Bagatellsteuer. Sie dient keinem Zweck! Der Bund der Steuerzahler (BdSt) NRW fordert grundsätzlich ihre Abschaffung. In einem ersten Schritt sollten zumindest die beträchtlichen regionalen Unterschiede beseitigt werden:  „Um möglichst einheitliche Lebensverhältnisse in Nordrhein-Westfalen zu gewährleisten, sollte es landesweit einen Höchstsatz von maximal 100 Euro geben“, fordert BdSt-Vorsitzender Heinz Wirz.

Für gänzlich veraltet hält auch die Wegberger Hundetrainerin Kirstin Müller die Besteuerung: „Andere Länder haben sie aus ethischen und moralischen Gründen längst abgeschafft. Gerade Hundehalter geben ohnehin schon viel Geld für ihr Tier aus (z.B. Erziehung, Huta, Versicherung) und sorgen somit für einen positiven wirtschaftlichen Effekt.“ Durch die Steuer würde vor allem Geringverdienern und Rentnern die Hundehaltung erschwert. „Dabei ist nachgewiesen, dass Hunde einen positiven Einfluss auf das Wohlbefinden des Menschen haben. Nicht nur deshalb sollte sich jeder einen Hund leisten können. Dass die Hundeanzahl durch einen Wegfall der Steuer zunehmen könnte, glaube ich nicht, da die Haltung eines Hundes insbesondere auch eine zeitliche Frage ist.
Die Problematik um durch Kot verdreckte Gehwege sollte man losgelöst von der Diskussion um die Steuer sehen. Verantwortungsbewusste Halter räumen die Hinterlassenschaften ihres Vierbeiners ohnehin weg. Alle anderen – nur so bekommt man dieses Problem in den Griff – gehören mit hohen Bußgeldern bestraft.“

Verwirrend sind übrigens auch die Unterschiede, wenn es um die Haltung sogenannter „gefährlicher“ Hunde geht: Hier liegen die Jahresbeträge zwischen 250 Euro (Wassenberg) und 650 Euro (Wegberg). Oder es wird gar kein gesonderter Satz gefordert. Wie beispielsweise in Hückelhoven. Die Erklärung hierfür ist nicht ganz einfach. Dass weiß auch der städtische Pressesprecher Holger Loogen: „Die Entscheidung über die Besteuerung obliegt grundsätzlich dem Stadtrat. Die aktuelle Variante hat bislang nicht zu Problemen und damit auch nicht zu Diskussionen geführt.“ Vielmehr könne eine gesonderte, höhere Besteuerung zu Ärgernissen führen. „Möglicherweise wird dadurch die illegale Haltung oder die notwendige Abgabe der Tiere ins Heim gefördert. Das kann nicht unser Ziel sein.“
Genau hier würde übrigens Bianca Mai (Tierheim Heinsberg) ansetzen: „In Geilenkirchen und Wassenberg gibt es bei entsprechender Prüfung die Möglichkeit, einen „gefährlichen“ Hund als einen „normalen“ Hund einstufen und dementsprechend auch besteuern zu lassen. Das halte ich für eine wesentliche bessere Handhabung, als eine einmalige Steuerbefreiung bei Tierheim-Hunden. An einem Jahresbeitrag von durchschnittlich 60 Euro sollte eine Hundehaltung schließlich nicht scheitern.“ Gäbe es allerdings die Möglichkeit, sich nach ausgiebiger Arbeit mit dem Hund und erfolgreicher Prüfung mit normalen Hundesteuer-Sätzen gleichstellen zu lassen, würden laut Mai vielleicht auch mehr „gefährliche“ Hunde aus dem Tierheim vermittelt. „An diesem Punkt wollen wir mit den Kommunen gern weiter arbeiten.“

Wie stehen Sie zum Thema Hundesteuer? Diskutieren Sie mit und senden uns Ihre Meinung an redaktion@hs-woche.de.

Unser Foto (Tierheim Heinsberg) zeigt Hundedame Mina. Sie lebt derzeit im Tierheim Heinsberg und zählt zu den „gefährlichen“ Hunden. Dennoch würde sie sich sehr über neue Besitzer freuen.

Das zahlen Sie im Kreis Heinsberg:
pro 1. Hund im Jahr

Waldfeucht: 42 Euro
Selfkant: 47 Euro
Hückelhoven: 48 Euro
Gangelt: 54 Euro
Wassenberg: 54 Euro
Erkelenz: 56 Euro
Heinsberg: 60 Euro
Geilenkirchen: 60 Euro
Übach-Palenberg: 72 Euro
Wegberg: 90 Euro
(Angaben vom Bund der Steuerzahler; Beiträge für „gefährliche“ Hunde weichen teils erheblich ab)

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