Kommentar

Wie die CDU auf Spuren der SPD wandelt

Dass Parteien nach Rücktritten ihrer Anführer zerrissen dastehen ist nicht neu. Lafontaine ging 1999 wegen Differenzen mit SPD-Chef Schröder. Und dieser legte 2004 den Parteivorsitz nieder. Er hatte durch die Agenda 2010 mit schwindender Popularität zu kämpfen. Letztendlich zerriss es die Partei. So sehr, dass die SPD seitdem sieben Parteichefs und fünf kommissarische Vorsitzende verbraucht hat. Zwar ist sie noch Partner in der Bundesregierung, doch dümpelt sie bei Wahlumfragen inzwischen bei 13 Prozent herum. Eine Volkspartei ist wahrlich etwas anderes.

Bei der SPD hat man sich im Laufe der Jahre daran gewöhnt. Nun aber steht die CDU davor in diese Situation zu geraten. Mit Kramp-Karrenbauers angekündigtem Rückzug vom Parteivorsitz und der Absage an die Kanzlerkandidatur steht die CDU vor einem Dilemma.

Dabei hat Annegret Kramp-Karrenbauer mit ihrem Verzicht auf die Kanzlerkandidatur und dem Rückzug vom Parteivorsitz die einzig richtige Entscheidung getroffen. Sie hätte sowie keine Chance gehabt. Weder auf der einen noch der anderen Position.

Ihre Schwächen in der Parteiführung sind während der Thüringen-Krise deutlich sichtbar geworden. Dazu gibt es anhaltend schlechten Umfragewerte.

Das Scheitern von AKK stürzt die CDU in eine schwere Krise, vergleichbar jener der SPD nach Schröder. Dabei ist AKK einmal an sich selbst gescheitert und litt zudem unter Illoyalität und Respektlosigkeit in eigenen Reihen.

Und daran ist Kanzlerin Angela Merkel nicht unschuldig. Denn unterstützt hat Merkel AKK in den letzten Wochen nicht. Mit ihrer Ansprache aus Afrika zur Thüringen-Krise hat sie AKK den Todesstoß als Vorsitzende und Kandidatin gegeben.

Zwar stehen ausreichend Kandidaten für die Nachfolge an, doch es muss klar sein, dass Kanzlerschaft und Parteivorsitz nicht auf zwei Personen übertragbar sind. Unter einer Kanzlerin Merkel und angesichts der zerrissenen Partei wird es auch der spät zu benennende AKK-Nachfolger schwer haben.

Ihnen eine angenehme Woche
Ihr
Reinhold Haimüller

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.