AllgemeinKommentar

Warum eine Interpretation der „Mitte-Studie“ unnütz ist

Kennen Sie die im Gleichtakt hüpfenden Fans in Fußballstadien? Im Mönchengladbacher Borussiapark singt man mit Blick auf den ungeliebten FC Köln dazu „Wer nicht springt der ist ein Kölner“. Aus anderen Stadien kennt man den Brauch auch. Da werden dann andere Gegnernamen gerufen. Warum tun Fans das? Man will, so die Lösung, ein kollektives Gefühl des Zusammengehörens schaffen.

Das passiert in unserer Gesellschaft derzeit auch. Nur müsste man hier singen „Wer nicht hüpft, der ist ein Rechter“. Dieses Gefühl jedenfalls befällt einen, lies man die Interpretation der Friederich-Ebert-Stiftung zu ihrer aktuellen Umfrage.
Die SPD-nahe Stiftung hat mit ihrer „Mitte-Studie“ für Schlagzeilen gesorgt. Ihre Umfrage nämlich soll zeigen, dass extremistisches Gedankengut mittlerweile in der Gesellschaft weit verbreitet ist. Die Mitte denke rechts, soll das heißen. Denn Islamophobie und Antisemitismus erfahren in der Mitte große Zustimmung, heißt es.

Ist nun die Demokratie in Gefahr? Das lassen und nämlich nun einige Politiker vermuten. Dazu muss man zunächst feststellen: Die Studie ist nicht objektiv und ergebnisoffen, sondern interessengeleitet. Denn: Je größer die Bedrohung von rechts, umso besser steht die SPD mit ihrem Kampf gegen die Populisten da.

Liest man Fragen und Antwortmöglichkeiten durch, kann man nur zum Ergebnis kommen, dass man nur schwer Extremismus daraus ableiten kann. Denn wer den Islam ablehnt, gegen unkontrollierten Zuzug und für die Einhaltung von Recht und Ordnung, also der Gesetze, ist, kann ja wohl nicht gleich extremistisch sein. Oder?

Es läge ein Demokratiemisstrauen vor, sagen die Umfragesteller. Aber darf man sich über entsprechende Antworten bei schwammigen Ankreuzaussagen wie „Die demokratischen Parteien zerreden alles und lösen die Probleme nicht“ und „Leute wie ich haben sowieso keinen Einfluss darauf, was die Regierung tut“ wundern?

Nein, die Interpretation dieser Studie ist unnütz. Man darf sie nicht ernst nehmen.

Ihnen eine angenehme Woche
Ihr 

Reinhold Haimüller

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.