ErkelenzKreis Heinsberg

Tischtennis-Oldies aus Gerderath: 383 Jahre Erfahrung an der Platte

Auch nach vielen Jahrzehnten an der „Platte“ ist Peter Schablitzky immer noch voller Ehrgeiz, wenn er seinem Gegner in die Augen blickt. „Das Feuer, die Leidenschaft, der Nervenkitzel – das geht nie weg“, sagt der der 73-Jährige aus Gerderath. Genauso geht es seinen Freunden Karl-Heinz Homboch (77), Dinko Jurjevic (72), Helmut Hockelmann (80) und Willi Lindemann (81), mit denen er sich einmal pro Woche in der Sporthalle in Myhl trifft, um Tischtennis zu spielen. Zusammen zählt das Quintett stolze 383 Jahre, doch das Alter spielt keine Rolle mehr, sobald die Tischtennisplatte aufgebaut, das Netz gespannt und die Schläger griffbereit sind. „Wir haben bis vor sieben Jahren sogar noch zusammen Meisterschaft gespielt. Jetzt gehen wir es etwas lockerer an, aber mithalten mit den Jungen können wir immer noch“, schmunzelt Karl-Heinz Homboch. Erst kürzlich hat er im Doppel gegen zwei Spieler aus der ersten Herrenmannschaft der TTG Gerderath-Gerderhahn gewonnen…

Lust an Sport und Bewegung

Die fünf Senioren sind der lebende Beweis dafür, dass auch im hohen Alter noch alles möglich ist. Auch wenn es hier und da mal zwickt, die eine oder andere Operation dazwischen kommt oder die Luft mal etwas schneller wegbleibt – die Lust am Sport und an der Bewegung hält sie fit und jung, und das nicht nur körperlich. „Gerade beim Tischtennis wird man auch geistig gefordert. Denn es geht nicht nur um schnelle Reaktionen, sondern auch darum, den Gegenspieler auszuspielen, ihn auszutricksen“, weiß Peter Schablitzky, der seit 50 Jahren Tischtennis spielt und so manche Partie für sich entscheiden konnte, weil er mehr „Biss“ hatte als sein Konkurrent.

Seit über 20 Jahren sind Karl-Heinz, Peter, Dinko, Helmut und Willi ein Team, an der Platte stehen sie aber alle schon viel länger. Karl-Heinz Homboch ist seit 65 Jahren dabei, war als Kind sogar im Landeskader, Peter Schablitzky war 1971 Mitbegründer der TTG Gerderath-Gerderhahn, Willi Lindemann spielt seit 50 Jahren, Helmut Hockelmann und Dinko Jurjevic seit über 30 Jahren. „Unser Werdegang ist fest mit dem Tischtennis verbunden. Wir könnten uns ein Leben ohne diesen Sport gar nicht mehr vorstellen“, so der gebürtige Kölner Homboch, den es vor fast 50 Jahren vom Rhein in den Kreis Heinsberg zog. Ein Schritt, den er nie bereute: „Die ländliche Struktur, die frische Luft, das hat schon seinen Reiz. Ich fühle mich in Gerderath sehr wohl, ich habe hier alles was ich brauche. Und ich habe hier eine super Truppe gefunden, mit der ich jede Woche Tischtennis spielen kann!“

Sportliche Heimat in Myhl

In der sogenannten „Montagsrunde“ wird allerdings nicht nur der kleine Kunststoffball über die Platte geschlagen. Homboch: „Wir quatschen und lachen viel miteinander und trinken auch mal ein Bierchen. Natürlich fachsimpeln wir genau wie früher über Beläge, Schläger und Bälle, aber der Spaß steht im Vordergrund!“ Der wäre ihnen vor ein paar Jahren fast vergangen, als die Stadt die Turnhalle in Gerderath für die Unterbringung von Flüchtlingen benötigte. „Wir standen praktisch von heute auf morgen auf der Straße“, so Dinko Jurjevic, mit 72 Jahren sozusagen das „Küken“ in der Runde. Glücklicherweise erklärte sich der benachbarte Verein TTF Füchse Myhl bereit, die heimatlose Gruppe aufzunehmen.

Auch wenn die Gerderather Halle mittlerweile wieder frei für den Sportverein zugänglich ist und sogar renoviert wurde, zieht es die fünf Freunde nicht zurück, zumal Willi Lindemann und Helmut Hockelmann ohnehin ihre sportliche Heimat bei den Füchsen haben. „Wir fühlen uns wohl in Myhl. Hier ist auch mehr Leben in der Sporthalle“, so Peter Schablitzky mit Blick auf die eigene Vereinshistorie. Der TTG Gerderath-Gerderhahn war einst eine Tischtennis-Hochburg im Kreis Heinsberg. Vier Herren-, zwei Damen- und sechs Kinder- und Jugendteams trainierten hier, man spielte sogar ein Jahr in der Landesliga. Die Zeiten sind vorbei, gerade mal zwei Mannschaften sind gemeldet, es gibt praktisch keinen Nachwuchs mehr. „Die Entwicklung ist schon traurig, aber die Zeiten ändern sich nun mal. Es wird immer schwieriger, junge Leute für einen Vereinssport zu begeistern“, so Karl-Heinz Homboch.

Der ideale Sport

Dabei, das können die fünf sportlichen Oldies bestätigen, ist gerade Tischtennis ein idealer Sport, nicht nur für Kinder. „Wenn wir schon keine jungen Menschen davon überzeugen können, so möchten wir doch wenigstens als Beispiel dafür dienen, dass es sich lohnt, auch im hohen Alter noch Sport zu betreiben. Ganz egal was, Hauptsache man bewegt sich. Geist und Körper werden es einem danken“, so Karl-Heinz Homboch. So ist es kein Wunder, dass das Quintett noch lange nicht ans Aufhören denkt. „Wir spielen solange weiter, bis es wirklich nicht mehr geht. Und das wird hoffentlich noch möglichst lange sein“, so Schablitzky.

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