Kommentar

Eine Lektion in Sachen Moral und die Konsequenzen

Es ist ein riskantes Spiel, das Deutschland in Europa treibt. Im Fall der Seenotrettung zum Beispiel. Dabei orientiert sich die Bundesregierung am Willen der Mehrheit im eigenen Land. Laut Umfragen nämlich verurteilen 70 Prozent der Bundesbürger die Sperrung der italienischen Häfen für NGO-Rettungsschiffe.

Gleichzeitig aber ein Blick nach Italien: Dort befürworten 60 Prozent Italiener – und das sind nicht alles Salvini-Anhänger- die Sperrung, finden sie richtig. Folge ist, dass sich diese 60 Prozent der Italiener über das Verhalten Deutschlands ärgern. Für sie ist, glaubt man Medien, der „hässliche Deutsche“ nun wieder existent. Deutschland erteilt Italien eine Lektion in Sachen Moral. Wem gefällt die moralische Keule schon, wenn sie den eigenen Kopf trifft? Zugleich beklagen die Italiener nicht nur, dass sich Deutschland in eine Angelegenheit Italiens einmischt, ihnen vorschreiben will, was richtig und was falsch ist, sondern sie sehen den mangelnden Respekt deutscher Politiker, die ja sonst stets auf Regeln und Gesetze pochen.

Eine schwierige Situation. Für alle Seiten. Am Zug ist aber dennoch die deutsche Bundesregierung. Es ist dabei egal, was Salvini von sich gibt; es ist unwichtig, was die italienischen Medien zur Lage sagen: Wenn Deutschland seinem eigenen moralischen Anspruch treu bleiben will, dann müssen wir auch die Konsequenzen tragen. Notfalls alleine.

Was bedeutet das? Wenn Deutschland gegen Italien und die mehrheitliche Meinung in Europa handeln will, muss man allein die Last tragen. Wir können nicht stets von allen europäischen Staaten verlangen, unsere Hilfe mit zu tragen. Deutschland muss folglich allein oder in einer Koalition der Willigen die Migranten aufnehmen.

Wir schauen dabei zu, wie deutsche Rettungsschiffe weiterhin im Mittelmeer Menschen aufnehmen. Nur: Sollten zukünftig die Zahlen steigen, dürfen wir nicht anderen EU-Ländern drohen, die dann bei der Verteilung nicht mitmachen wollen. Es ist dann Deutschlands Sache. Darüber sollten wir uns alle klar sein.

Ihnen eine angenehme Woche
Ihr
Reinhold Haimüller

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