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Kommentar: 112 soll entscheiden

Bundesgesundheitsminister Spahn will die Notaufnahmen der Krankenhäuser entlasten. Das hört sich vernünftig an. Er will das erreichen, indem die Notfall-Leitstellen die Patienten steuern. Wer beim Notruf 112 abhebt entscheidet, ob der Patient in die Notaufnahme kommt oder nicht.

Tatsache ist, dass die Notaufnahmen der Kliniken tatsächlich stets überfüllt sind. Und das kann so nicht weitergehen, sagt jeder, der schon mal in den überfüllten Räumen der Notaufnahme warten musste.

Denn tatsächlich sind es vielfach Personen mit Bagatellkrankheiten, die in der Notaufnahme warten. Oft ist es Unsicherheit oder auch Bequemlichkeit, das selbst an Wochentagen, an denen der Hausarzt auch Sprechstunde hat, zu viele in der Notaufnahme warten.

Aber es gibt noch mehr Probleme in der Notfallversorgung. Denn das System der Patientenverteilung ist nicht die beste Lösung. Zu oft hört man, dass Notfallpatienten nicht in die für diesen Fall am besten geeignete Klinik eingeliefert werden. Es braucht also auch hier eine Reform, um Fehler zu verhindern.

Schon beim Notruf muss der zukünftige Patient besser zugeteilt werden. Ein Arzt am Telefon kann eine Erkrankung einschätzen, auch wenn es sich nicht nur schwierig anhört, sondern auch ist. Er kann aber auf jeden Fall sagen, ob man jetzt besser die Notfallaufnahme einer Klinik aufsucht oder ob es eine Bagatelle ist, die auch ein Hausarzt behandeln kann.

Im Grunde also ist Spahns Idee nicht schlecht, sein Vorschlag ausarbeitungswert. Er muss aber noch einige Fragen beantworten. Denn um Spahns Vorschläge umzusetzen, müssen die Länder Kompetenzen bei der Notfallversorgung abgegeben.

Außerdem müssen Kliniken und Kassenärzte ihren Patientenverteilungsstreit beilegen. Und natürlich darf die geplante Zusammenlegung der Notfallnummer 112 mit der Servicenummer 116 117 nicht zu einer Überlastung des Notrufs führen. Viel Arbeit also für den Minister. Man kann ihm nur Glück und Ausdauer beim Vorhaben wünschen.

Ihnen eine angenehme Woche
Ihr
Reinhold Haimüller

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