Kreis Heinsberg

Kempener repariert das Bike von Hollywood-Star John Travolta

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Es ist ein Motorrad aus einer anderen Welt. Und nur die Hände von Wilfried Fanieng (53) aus Heinsberg können es bändigen: die mächtige Harley Davidson Shovelhead (350 Kilogramm, 65 PS) befand sich einst im Besitz von Hollywood-Star John Travolta (64), jetzt steht sie auf dem Hof des privaten Biker-Clubs „Iron Chopper“ von Fanieng, den alle nur „Wippes“ nennen. Der Frührentner ist hier alles in einer Person: Werkstattmeister, Wirt, Präsident, Schlosser und Hausmeister, vor allen Dingen aber eins: Privatperson! Denn „Wippes“ betreibt den Club mit all seinen Funktionen als reines Hobby. Auch das Bike von Travolta repariert er kostenlos für seinen Freund, den Heinsberger Fleischhändler Wolfgang Otto. „Das Motorrad ist etwas Besonderes, es muss gefahren werden, sonst setzt es nicht nur Staub an, sondern geht kaputt“, sagt Fanieng.

Den gebürtigen Linnicher zog es vor sechs Jahren der Liebe wegen nach Kempen, einem kleinen Heinsberger Vorort mit knapp 1.800 Einwohnern. Für den leidenschaftlichen Biker sollte hier nach einer bewegten Vergangenheit und schwerer Krankheit ein neues Leben beginnen. Er übernahm einen Bauernhof und eine ehemalige Backstube an der Oberstraße, gründete den Biker-Club „Iron Chopper“ und richtete sich eine kleine Werkstatt ein, wo er eigentlich in Ruhe an seinen Maschinen schrauben und mit seinen Motorradkumpels feiern wollte. Doch mit der Ruhe war es schnell vorbei, in der regionalen Harley Davidson-Szene sprach sich schnell rum, dass man bei „Wippes“ nicht nur kompetente Ratschläge erhalten konnte, sondern auch das eine oder andere Ersatzteil.

Mittlerweile vergeht kein Tag, ohne dass es an der Tür der „Iron Chopper“ klingelt. Es sind es nicht nur Biker, denen Wilfried Fanieng Einlass gewährt, auch die zunächst skeptischen Bewohner des Ortes und sogar der Bürgermeister haben schon an der Theke Platz genommen und das Glas gehoben. Wenn „Wippes“ mal zu einem Fest einlädt, dann wird es eng in der Stube. Beim letzten „Straßenfest“ (gemeinsam mit der katholischen Kirchengemeinde St. Nikolaus) zählte der gelernte Maschinenbaumeister rund 3.000 Besucher. Die Betreuung der Gäste hatten „Wippes“ und seine Kumpel – natürlich – ehrenamtlich übernommen. Und nicht nur das: rund 1.000 Euro nahmen die „Chopper“ aus dem Erlös einer Tombola ein. Das Geld soll dem Verein Kempen hilft zugutekommen.

Vor sechs Jahren war Wilfried Fanieng noch ein unbekannter Fremdling, der misstrauisch ob seiner rauen Vergangenheit beäugt wurde, heute hat er fast den Status eines Ortsvorstehers, der jederzeit ein offenes Ohr für seine Mitmenschen hat. Die „Iron Chopper“ sind beliebter Dreh- und Angelpunkt des Ortsgeschehens, wobei „Wippes“ darauf achtet, dass alles in privatem Rahmen bleibt. „Ich bin nicht daran interessiert, ein Geschäft zu betreiben, die Zeiten sind vorbei. Außerdem möchte ich den lokalen Geschäftsleuten hier nichts wegnehmen. Ich habe zu allen ein wunderbares Verhältnis und wenn mir die Leute sagen, dass sie stolz darauf sind, mich hier zu haben, dann ist mir das Lohn genug!“

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