Kommentar

Kalenderwoche 45

Und plötzlich ist er wieder da: Friedrich Merz. Es ist, als wäre er nie weg gewesen – oder eigentlich immer da. Merz, ein Mythos? Merz, der christdemokratische Retter? Oder doch am Ende nur der verbrannte Hoffnungsträger, wie einst Schulz für die SPD? Die nächsten Wochen werden zeigen, wohin die CDU in Zukunft politisch will. Soll Merkels Kurs weiter gefahren werden oder will man eine andere, neue Politik machen? Eine Politik, die nicht nur den traditionellen CDU-Wähler anspricht, sondern auch Grüne und AfD-Wähler.

Bei CDU-internen Umfragen führt Merz als Anwärter auf den Parteivorsitz vor Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn. Merz hat bei allem einen klaren Vorteil: Er ist nicht belastet von allen politischen Intrigenspielen der letzten Monate (vielleicht sogar Jahre). Und er ist nicht belastet durch Fehlentscheidungen der letzten Regierungsjahre. Die Ruhepause außerhalb der Politik hat ihm gut getan. So wie manchen Sportlern eine Trainings- und Wettkampfpause gut tut.

Im Augenblick scheint es wirklich so, als ob Merz der neue Parteivorsitzende werden könnte. Ein Amt, das er 2000 schon hätte übernehmen sollen. Das wäre besser gewesen als der Fraktionsvorsitz. Doch gemachte Fehler sind schwer wieder gut zu machen.

Eine Partei will geführt werden. Merz hat nicht nur den Anspruch, eine Fraktion zu moderieren. Nein, er kann führen. Leitideen aussprechen. Die Formulierung der deutschen Leitidee war die Wortschöpfung, die er zwar nicht erfand, aber doch populär machte. Oder die Ansage, jeder Bürger müsse seine Einkommensteuer auf einem Bierdeckel ausrechnen können? Das hat ihn damals populär und beliebt gemacht. Nur nicht bei Merkel, die ihn wegen dieser Popularität und Beliebtheit abservierte.

Merz wäre als Leitfigur vermutlich an der CDU-Spitze richtig. Doch kann er auch eine Partei in der Groko moderieren oder gar führen? Oder anders: Wird diese GroKo auch dann noch existieren, wenn Merz die Führungsaufgabe in der Partei übernimmt? Es sind viele Wenn und Vielleicht bei der Antwort zu diesen Fragen enthalten.

Ihnen eine angenehme Woche

Ihr
Reinhold Haimüller

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.