Kommentar

Kalenderwoche 13

Der Numerus Clausus, kurz NC genannt, wird 50 Jahre. Herzlichen Glückwunsch. Doch ist der Abiturdurchschnitt, der oft über einen Studienbeginn entscheidet, wirklich so gut?

Keine Frage. Irgendwie müssen Universitäten entscheiden, wer bei ihnen im kommenden Semester studieren darf. Da ist der NC natürlich eine beliebte Formel, sortiert er doch schlicht und einfach nach den Noten aus dem Abi.

Aber sind die guten Abiturienten auch in ihrem Wunsch-Studium die richtigen? Kommt es bei der Berufsauswahl nicht auch auf Talent und spezifische Fähigkeiten an?

Bundesweit gilt der NC für die Fächer Medizin, Tiermedizin, Zahmedizin und Pharmazie. Lokal kommen weitere Fächer hinzu, in denen es mehr Bewerber als Plätze gibt. Doch zahlreiche Universitäten verlassen sich nicht auf den Numerus Clausus. Beispielsweise die Sporthochschule Köln: Jene Uni, an der nicht nur Spitzensportler studieren und zahlreiche Bundesliga-Trainer ihre Lizenz erworben haben. Wer in Köln Sport studieren möchte, muss durch die praktische Prüfung. Zwei Tage lang Sport nonstop in den unterschiedlichsten Disziplinen. Wer dreimal die Norm nicht erfüllt, darf ein halbes Jahr später wiederkommen.

Beispiel RWTH Aachen: Dort wird im Fach Bauingenieurwesen mit Mathematik „ausgesiebt“. Wer mit guten Mathenoten im Abitur glänzte, ächzt bereits im Mathe-Vorkurs der Universität. Ein Großteil der Studenten gibt wegen Mathe in den ersten Semestern wieder auf.

Auch gibt es durch die unterschiedlichen Lehrpläne in den 16 Bundesländern starke Gefälle der Abiturinten und deren Fähigkeiten. Es ist unbestritten, dass in Bayern das Abitur deutlich schwieriger ist, als hierzulande in Nordrhein-Westfalen. Einem NC ist das aber vollkommen egal.

Seit der Einführung ist der Numerus Clausus umstritten. Nach 50 Jahren wäre es vielleicht an der Zeit, ihn abzuschaffen und endlich andere Kriterien, als nur die Abi-Noten für den Weg ins Wunsch-Studium heranzuziehen.

Ihnen eine angenehme Woche,

Ihr Reinhold Haimüller

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