ErkelenzKreis Heinsberg

Immerather Ausgräber fragen sich: Wie und warum kam ein „Bügeleisen“ mit ins Grab?

Experten vom Landschaftsverband Rheinland machten bei den Ausgrabungen am abgerissenen Immerather Dom interessante Funde. Einer davon, nämlich ein „Bügeleisen aus dem Mittelalter“, wird jetzt bei einer Ausstellung des LVR-LandesMuseum Bonn gezeigt.

Zwar fanden Bestattungen eigentlich neben der Kirche statt, doch da die Immerather Kirche mehrere Vorgängerbauten hatte und jeder Neubau größer wurde als der vorige, rückten einige der alten Gräber an außen ins Kircheninnere und blieben somit erhalten. 200 Gräber fanden die Ausgräber und legte sie frei. In sechs Gräber waren Priester bestattet.

Von Interesse war für die Ausgräber eine dem Ortsadel vorbehaltene Grablege innerhalb einer um 1240/50 angebauten Adelskapelle. In einem der eigentlich beigabenlosen Gräber fand sich überraschend ein gläserner Glättstein zum „Bügeln“ von Textilien. Ein „mittelalterliches Bügeleisen“ also. Dieser wurde womöglich heimlich dort deponiert, denn die Kirche lehnte derartige Grabbeigaben strikt ab. 

Es stellt sich also die Fragen: Wer legte der Frau das „Bügeleisen“ mit ins Grab? Und warum?

Das „Bügeleisen“, der Glättstein, auch Glättglas genannt, war ein gläsernes Werkzeug. Damit glättete man Kleidungsstücke und verlieh ihnen einen seidigen Glanz. Mit angewärmten Glättgläsern konnte Wachs in den Stoff eingearbeitet werden, um ihn zu imprägnieren. Glättgläser wurden später vom Bügeleisen verdrängt und dienten bis in neuerer Zeit zum Beispiel als Briefbeschwerer.

Glättgläser haben die gerundete Form eines Brötchens . In der Regel haben sie einen Durchmesser von 6 bis 10 cm und eine Stärke von 2,5 bis 5 cm. Das Gewicht beträgt 300 bis 400 Gramm. Die massiven Stücke bestehen meist aus klarem, dunkelgrünem bis nahezu schwarzem Glas.

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