Kommentar

Gerade nochmal gut gegangen?

Man könnte meinen, es sei gerade nochmal gut gegangen: Immerhin können die Spitzenkandidaten von CDU und SPD nach den Landtagswahlen in Sachen und Brandenburg ihre Positionen behalten.

Und doch kann man die Wahlen vom Wochenende immer noch als „Schicksalswahl“ oder „Richtungswahl“ betiteln. Zur Verdeutlichung: In Sachsen holt die CDU 33 Prozent, das schlechteste Ergebnis seit der Wiedervereinigung. Über sechs Prozentpunkte gibt die Partei ab. Die SPD trennen in Sachsen gar nur zweieinhalb Prozentpunkte von der Fünf-Prozent-Hürde.
Die erheblichen Gewinne der AfD in Brandenburg und Sachsen sind dagegen weiterhin alarmierend. Wenn auch nicht überraschend.

Knapp jeder vierte Wähler dort hat sich für eine Kraft entschieden, die unsere Demokratie bedroht und verdeutlicht damit einmal mehr, wie geteilt Deutschland auch 30 Jahre nach dem Mauerfall noch ist.

Vertreter von CDU, SPD und den Grünen sprechen trotzdem weiterhin von einem guten Abschneiden. Wird hier eine Art Realitätsverlust deutlich oder beflügelt die Tatsache, dass sich die großen Parteien zumindest auf niedrigem Niveau stabilisieren konnten, das Gefühl, auch auf Bundesebene weiterregieren zu können?
Denn so knapp das Ergebnis auch ist, die große Koalition in Berlin ist damit – zumindest vorerst – ebenfalls stabilisiert. Das ist die zweite gute Nachricht für die etablierten Parteien der jüngsten Wahltage.

Die nächste Möglichkeit die Große Koalition in Berlin zu festigen, ist Ende Oktober bei den Landtagswahlen in Thüringen.

Bleibt zu hoffen, dass das „gerade nochmal gut gegangene“ Ergebnis und die damit einhergehende Stimmung auch zu notwendigen und offenen Aussprachen über den Zustand der großen Parteien führen.

Ihnen eine angenehme Woche

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