ErkelenzKreis Heinsberg

Erkelenz: Virtuelles Museum verewigt Keyenberg

Mit einem Pilotprojekt geht der Heimatverein der Erkelenzer Lande an den Start. Das erste virtuelle Museum ist den Orten gewidmet, die dem Tagebau weichen müssen.

In der ersten Phase wurde Keyenberg für die Zukunft verewigt. Die vier weitere Umsiedlungsstandorte Kuckum, Unter- und Oberwestrich sowie Berverath werden folgen.

Vor drei Jahren entstand die Idee einer Dokumentation der Orte. Schnell jedoch sei klar gewesen, dass dies nicht in Form eines Museums geschehen könne, erläuterte der Vorsitzende des Heimatvereins, Günther Merkens. So wurde ein Arbeitskreis gegründet, der sich der Aufgabe annahm. Begleitet wurde die Planung und Arbeit von Elmar Bransch von Minkenberg Medien.

Bei einem Pressegespräch in der Kreissparkasse präsentierte der Arbeitskreis die ersten Ergebnisse, die nun auch online zu sehen sind. Die Rede ist von Geschichten aus dem Ort, virtuellen Gängen und Besuchen von Gebäuden und Straßen. Dabei kann der virtuelle Besucher sich in Keyenberg umschauen und den Ort kennenlernen, wenn er längst im Tagebauloch verschwunden ist.

Ein solches Projekt braucht starke Unterstützer. Vor allem, wenn die Kosten rund 250.000 Euro betragen. Und so waren einige der Förderer und Unterstützer gekommen, um bei der Eröffnung per Mausklick dabei zu sein.

Die meisten fanden aus aktuellem Anlass deutliche Worte zum Thema Tagebau und vor allem zum Rodungsstopp im Hambacher Forst. Landrat Stephan Pusch warte vor einem „ungeordneten Rückzug“ aus der Braunkohle und den Folgen für den Kreis. Der Landesregierung bescheinigte er eine „schwache Leistung“, die vor allem bei den in Hambach eingesetzten Polizisten für Frust sorge.  Das virtuelle Heimatmuseum sei hingegen ein modernes und zukunftsweisendes Medium, da der Begriff „Heimat“ nicht auf Geografisches begrenzt sei.

Der erste Beigeordnete Dr. Hans-Heiner Gotzen betonte, dass die Stadt trotz ihrer ablehnenden Haltung zum Tagebau gegen einen „Ad-Hoc-Ausstieg“ sei. „Die Betroffenen haben ein Recht auf Klarheit“, sagte er. „Ein ungeordneter Rückzug würde uns wieder zu Opfern der Energiepolitik machen.“ Den Umsiedlern sollte daher keine falsche Hoffnung gemacht werden. Der CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Schnelle mahnte ebenfalls Planungssicherheit an. Die Umsiedlung sei teilweise schon weit fortgeschritten, ein Stopp würde große Probleme schaffen. Viel eher müsse man sich um aktuelle Probleme wie den Abstand der Ortschaften zur Tagebaukante kümmern und den Strukturwandel mitgestalten.
Stefan Lenzen, der für die FDP im Landtag sitzt, hob das positive Verständnis von „Heimat“ hervor, das sich stark unterscheide von dem der Rechtspopulisten. „Denen dürfen wir das Feld nicht überlassen“, forderte er und sprach sich für klare Aussage über die Zukunft des Tagebaus aus. Wolfgang Lothman vom Arbeitskreis virtuelles Museum kritisierte, dass das Schicksal des Hambacher Forstes die Leute mehr bewege als das von rund 7500 Umsiedlern, die durch den Tagebau ihre Heimat verlieren. „Mich als Umsiedler macht das wütend“, erklärte der gebürtige Keyenberger.

Ein Förderer des Museums ist die Stiftung NRW. Deren Vorstandsmitglied Harry Kurt Voigtberger sieht im virtuellen Museum ein Vorbild für andere Regionen. „Wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, dass ein Museum immer ein Gebäude sein muss“, betonte er und sagte weitere Unterstützung des Projektes durch die Stiftung zu. Auch die Kreissparkasse ist dabei und unterstützt die ehrenamtliche Arbeit des Arbeitskreises. Der Vorstandsvorsitzende Thomas Giessing sagte nach der Anschubfinanzierung weitere finanzielle Unterstützung zu. „Der Erhalt der Heimat ist nur virtuell möglich“, betonte er. „Daher ist es umso wichtiger, es auch zu tun.“

Elmar Bransch vom Medienunternehmen Minkenberg erläuterte die Handhabung des Online-Angebotes, das Stück für Stück ausgebaut wird. „Das Museum wird nie fertig sein“, betonte der Vorsitzende Merkens. Denn die Fakten und Daten pro Ort können jederzeit aktualisiert werden. Darüber hinaus soll das Museum auch die anderen Erkelenzer Ortschaften darstellen, die nicht vom Tagebau betroffen sind. Mit einem Mausklick wurde die Pilotversion des virtuellen Museums „eröffnet“. Nun kann man von wo immer aus und wann immer man will das Erkelenzer Heimatmuseum besuchen und nach Herzenslust stöbern: www.virtuelles-museum.com.

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