GeilenkirchenKreis Heinsberg

Doktorand aus Geilenkirchen: „Mein Hobby ist Kaffeerösten“

Von Philip Rummler

In einem eigens dafür eingerichteten Röstzimmer, da liegt sie: Die kostbare Bohne. Gleich in mehrfacher Ausführung, in großen Jutesäcken und noch so grün als wäre sie frisch gepflückt worden. Jede einzelne der unzählbaren Bohnen hat eine lange Reise hinter sich. Aus Nicaragua, Äthiopien, Brasilien und Indien fanden sie alle ihren Weg in dieses Zimmer von Moritz Nobis in Geilenkirchen – Grothenrath. Dort durfte ich den Doktoranden der RTWH Aachen bei seinem doch relativ ungewöhnlichen Hobby beobachten: Dem Kaffeerösten. Von der grünen Bohne, bis zum Genuss in der Tasse.

Qualität hat seinen Preis

Der Kaffee ist das Lieblingsgetränk der Deutschen. 86 Prozent der Erwachsenen trinken täglich, oder mehrmals in der Woche das koffeinhaltige Heißgetränk. Aber wissen Sie wo Ihr Kaffee her kommt? Wissen Sie wie er verarbeitet wird? Und wissen Sie eigentlich, dass Sie, aufgrund eines übrig gebliebenen Gesetzes aus dem 18. Jahrhundert, immer noch 2,19 Euro Röststeuer auf jedes Kilogramm Kaffee zahlen? Nobis bekommt seine Bohnen über einen Kleinröster aus München direkt, ungeröstet, nach Hause geliefert. Ein teurer Spaß ist dieses Hobby trotzdem: „Pro Kilo Rohbohnen bezahle ich teilweise mehr als andere für die gleiche Menge Röstkaffee – Qualität hat seinen Preis. Die Kaffeeröstmaschine hat sogar einen unteren vierstelligen Betrag gekostet.“ Meinen entgeisterten Blick muss er bemerkt haben, denn er ergänzt schnell, dass er sich den Preis mit einigen Arbeitskollegen geteilt hat. „Das verpflichtet aber jetzt natürlich jedes Mal für frischen Kaffee zu sorgen“, erzählt Nobis lachend. „Aber ich mache das ja gerne.“ Ein, von den RWTH-Kollegen gesponsertes, Schild mit der Aufschrift „Nobissi’moe“ zeugt von deren Dankbarkeit.  

Der Röster läuft schon seit ich den Raum betreten habe. „Vorheizen“, nennt der Kaffeeröster das. Nun kommen 600 Gramm Arabica-Bohnen aus Nicaragua in eine Schüssel. Die Bemessung ist wichtig, denn die Mischung macht’s. „Nur eine Sorte Bohnen wäre doch langweilig. Ich versuche mich an dem perfekten Verhältnis, um die regionalen Eigenheiten der Bohnen für den perfekten, ausgewogenen Geschmack zu kombinieren.“ Der Doktorand am Lehrstuhl und Institut für Hochspannungstechnik füllt die Bohnen in die rotierende Trommel des Rösters, die permanent von einer Gasflamme erhitzt wird. Ein Thermometer und eine Stoppuhr kommen zum Einsatz, denn die Trommel muss zur genau richtigen Zeit die genau richtige Temperatur aufweisen. Es wirkt wie eine exakte Wissenschaft und das ist es irgendwie ja auch. „Es laufen unzählige chemische Prozesse innerhalb der Trommel ab“, erklärt Nobis.

Was ist der First Crack?

Sein Interesse am eigenen Rösten entstand, wie man sich denken kann, aus der Liebe zum eigenen Kaffeegenuss. Durch intensive Lektüre und viel empirischer Arbeit brachte er sich das Rösten selbst bei. Dann wird es laut im Zimmer, es klingt als würde frisches Popcorn zubereitet. „Der First Crack“, wie Moritz Nobis mir erklärt. „Wasser tritt aus der Bohne aus und verdampft. Ab diesem Punkt beginnen die verschiedenen Röststufen.“ Je länger man nach diesem „Ersten Knacken“ weiter röstet, desto stärker wird der Kaffee. Da sind die Geschmäcker bekanntlich verschieden, aber die Vorlieben lassen sich durchaus demographisch eingrenzen: „In Skandinavien stoppt man das Rösten kurz nach dem First Crack, in Deutschland mag man es etwas stärker. Je weiter man in den Süden kommt, desto kräftiger wird der Kaffee. In Spanien genießt man ihn fast pechschwarz.“ Kurz vor dem Second Crack, der ungefähr der Röststufe von italienischem Espresso entsprechen würde und dem Austritt von CO2 geschuldet ist, öffnet Moritz Nobis die Klappe der Trommel.

Kunst oder Wissenschaft?

Heraus kommen dunkelbraune, glänzende Bohnen, wie wir sie aus Werbung und Eigengebrauch kennen. Die geröstete Fuhre muss nun so schnell wie möglich abgekühlt werden, da sie sonst noch in sich weiter röstet. Gleichzeitig kommt auch schon die nächste Ladung in die Trommel. Ich nehme den charakteristischen Kaffeeduft war, allerdings nicht so stark wie ich erwartet hätte. „Die Bohnen gasen noch aus“, erklärt der Profiröster prompt. „Das richtige Aroma entfaltet sich nach zwei bis drei Tagen.“ Die dunklen Bohnen werden in einer Metalldose konserviert und genau zu diesem Zweck in ein Regal gestellt. In der Röstmaschine kommt es schon wieder zum First Crack, ständig wandert Nobis Blick zwischen Zeit und Temperatur hin und her. „Mit der Röstkurve steht und fällt der Kaffee. Da ist es auch egal wie teuer und hochwertig die Bohnen waren.“ Ist es Kunst oder Wissenschaft? Ich bin mir zu diesem Zeitpunkt nicht sicher. Wobei ich mir garantiert sicher bin: Ich bekomme Lust diesen Kaffee zu probieren.

Nachdem der Robusta-Bohne aus Indien sogar der Second Crack gegönnt wurde und die Fuhre nach dem Abkühlen zu den anderen in den Schrank gewandert ist, geht mein Wunsch in Erfüllung. Ich bekomme einen selbst gerösteten Kaffee zubereitet. Dieser hat seine drei Tage Reifung schon hinter sich und das Aroma ist absolut nicht vergleichbar mit dem des Standard-Supermarkt Kaffees. Schon beim Öffnen der Dose erfüllt der Duft den ganzen Raum und wird beim Mahlen und Aufbrühen noch intensiver. Und obwohl es bereits nach 21 Uhr ist und ich die Befürchtung hege diese Nacht kein Auge zu schließen, ist der Genuss des handgemachten Espressos nicht zu bereuen. Der lange Weg der Bohne hat sich gelohnt. Von Nicaragua, Brasilien, Äthiopien und Indien, über München nach Geilenkirchen. Von der grünen Frucht, über die Röstung in der Trommel bis in meine Tasse. Moritz Nobis ist zufrieden mit seinem Ergebnis, aber „es gibt immer Luft nach oben und noch so vieles auszuprobieren.“ Den Spaß an seinem ungewöhnlichen Hobby merkt man ihm jedenfalls in jeder Minute an.    

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