Kommentar

Die EU-Chefs müssen endlich auf Eitelkeiten verzichten

Irgendwie hatten die Wahlen zum EU-Parlament Mut gemacht. Man konnte Hoffnung schöpfen. Nicht wegen des Wahlergebnisses, sondern wegen der hohen Wahlbeteiligung. Denn noch nie hatten sich so viele für Europa interessiert, war ein Wahlkampf tatsächlich interessant. Doch diese Freude versickert nun. Schuld daran ist das, was die Politiker aus der Europabegeisterung jetzt machen.

Denn in den EU-Gremien und beim Staatschef-Plausch geht das Gerangel um die Spitzenjobs los. Nichts ist mehr zu spüren von einer Aufbruchstimmung. Eher herrscht die Routine der Hinterzimmmerabsprachen vor. Das Personalgeschacher, das wir in diesen Tagen erleben ist eine Verhöhnung der Wähler. Die wollten die EU zumeist stärken. Jetzt folgen Quäl-Sitzungen mit eben solchem Gipfel. Beschädigt werden beim Postengerangel beide Spitzenkandidaten, denn Manfred Weber (CSU) und Sozialdemokrat Frans Timmermans werden beide derzeit politisch verbrannt.

Und: Nicht nur Weber-Befürworterin Angela Merkel und Weber-Gegner Emmanuel Macron stehen sich im Politik-Posten-Clinch gegenüber. Die EU als Ganzes wird in diesem Fight der Eitelkeiten beschädigt. Mitmischen tun auch die osteuropäischen Länder und Italien, die bisher jede Alternativlösung zu Weber blockieren.

Rächen Sie sich so für die Politik Merkels während der letzten Jahre? Wem das Polit-Spielchen Freude bereitet sind Trump, Putin, Erdogan und Brexiter Boris Johnson. Die EU-Gegner reiben sich vor Freude die Hände. Besser hätte man selbst durch vielerlei Aktivitäten das Ansehen der EU nicht beschädigen können.

Wenn zwei sich streiten, freut sich der dritte oder vierte oder…. Das Spiel der EU ist nicht nur eine Farce, es ist eine Tragödie für die EU. Wie ernst wird der Rest der Welt diese EU zukünftig noch nehmen können?

Was ist in diesen Tagen gefragt? Ganz einfach: Mut zum Verzicht auf eigene Eitelkeiten und etwas Respekt vor den Wählern. Dann hat auch die angeschlagene und beschädigte EU noch Zukunft.

Ihnen eine angenehme Woche
Ihr
Reinhold Haimüller

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