Kreis Heinsberg

Bauern protestieren gegen Auflagenflut

„Die Flut der Vorschriften, die durch das Agrarpaket auf die landwirtschaftlichen Familienbetriebe einprasselt, gefährdet unsere Existenz“, betont Bernhard Conzen, Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV) wütend. Zahlreiche Landwirte waren darum jetzt in Mainz, um während der Agrarkonferenz ihren Unmut gegen diese Politik zu demonstrieren. 

Auch aus dem Kreis Heinsberg. Denn zahlreiche der rund 1.000 hiesigen landwirtschaftlichen Betriebe sind bedroht. „Die im Agrarpaket genannten Maßnahmen betreffen die Betriebe je nach Betriebsrichtung unterschiedlich, daher ist es schwierig, eine genaue Zahl zu nennen. Fakt ist aber, dass momentan zahlreiche Vorschriften auf die Betriebe einprasseln, die vor allem kleinere Familienbetriebe an die Grenze des Machbaren bringen werden. Geht es so planlos und praxisfern weiter wie bisher, wird man nur ein Ziel erreichen: Dass die regionale Landwirtschaft verschwindet und Nahrungsmittel in Zukunft aus dem Ausland kommen. Das trifft am Ende nicht nur die Bauern, sondern schadet der gesamten Gesellschaft“, erklärt Conzen das Desaster.

Ob Aktionsprogramm Insektenschutz, Tierwohl-Label, Mittelumschichtung in die zweite Säule oder das seit Monaten diskutierte neue Düngepaket: Auch die Bauern im Kreis Heinsberg sind ungehalten über die Ignoranz und die fachliche Inkompetenz, mit der ordnungsrechtliche Maßnahmen für alle Bereiche des Wirtschaftens auf Hof und Feld von der Politik rücksichtslos vorangetrieben werden, fasst der Verband die aktuelle Stimmung zusammen. 

Die Fassungslosigkeit wird nicht nur in sozialen Netzwerken und auf Versammlungen deutlich. Zahlreiche Bauern in ganz Deutschland – so auch hier – folgen derzeit dem Aufruf des Bloggers Bauer Willi, mit dem Aufstellen von grünen Kreuzen überall in der Feldflur auf die Lage der Landwirtschaft aufmerksam zu machen. In Erkelenz-Schwanenberg oder im Selfkant sind bereits Kreuze errichtet worden.

Die Aktion richtet sich gegen die steigende Auflagenflut, überzogene Bürokratie, Dumpingpreise für Essen, gegen ungebremsten Flächenverbrauch und die unfaire Handelspolitik. Dahinter steckt im Kern die Frage nach der Zukunft der von bäuerlichen Familienbetrieben getragenen Landwirtschaft im Rheinland. 

Bernhard Conzen bringt den steigenden Frust der Bauern auf den Punkt: „Unsereins säße gerade lieber auf dem Trecker, um die Aussaat für das nächste Jahr vorzunehmen, statt in Mainz zu demonstrieren. Es muss endlich Schluss sein mit dem maßlosen Aktionismus gegen die Landwirtschaft.“ Er kündigte an, dass der Berufsstand in Kürze dazu ein deutliches Zeichen setzen werde. „Sollte sich die Politik nicht mit den Sorgen der Praxis auseinandersetzen und endlich Verantwortung übernehmen, wird sich dies noch verschlimmern. Die Gremien unseres Verbandes beschäftigen sich derzeit mit der Frage, ob wir nicht dem enormen Druck und den Existenzängsten der Mitglieder Raum geben müssen, beispielsweise im Rahmen einer Veranstaltung.“  

Die Bauern im Rheinland seien bereit, den längst begonnenen Veränderungsprozess im Sinne von Klima-, Umwelt- und Naturschutz weiter voran zu bringen. Voraussetzung dafür seien allerdings Respekt und Anerkennung für das, was die Landwirtinnen und Landwirte Tag für Tag für die Gesellschaft leisteten.

 

Die wich­tigs­ten Punk­te des Agrar­pa­kets

Die An­wen­dung von Gly­pho­sat soll ab 31. De­zem­ber 2023 bun­des­weit ver­bo­ten wer­den. Bereits ab 2020 soll Gly­pho­sat nur noch be­dingt auf­ge­bracht wer­den dür­fen, in be­stimm­ten Ge­bie­ten gar nicht. Da­mit soll der Gly­pho­sat­ein­satz um 75 Pro­zent ver­min­dert wer­den.

Bei der An­wen­dung von Pflan­zen­schutz­mit­teln soll ein Min­dest­ab­stand zu Ge­wäs­sern von zehn Me­tern ein­ge­hal­ten wer­den; ein Ab­stand von fünf Me­tern, wenn die Ab­stands­flä­che dau­er­haft be­grünt ist.

Ab 2021 soll die Nut­zung von Her­bi­zi­den und bio­di­ver­si­täts­schä­di­gen­den In­sek­ti­zi­den in Schutz­ge­bie­ten ver­bo­ten sein.

Grün­land mit gro­ßem Ar­ten­reich­tum und Streu­obst­wie­sen fal­len künf­tig als Bio­top un­ter den ge­setz­li­chen Schutz des Bun­des­na­tur­schutz­ge­set­zes und wer­den eben­falls mit star­ken Ein­schrän­kun­gen für den Pflan­zen­schutz be­legt.

 

 

 

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