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Pkw-Fahrverbote sind nicht die Lösung

Erste Fahrverbote in Städten sind verhängt; es wird heftig über die Gefahren von Feinstaub und Stickoxiden in der Luft diskutiert. Pkw sind aber wohl nicht der Hauptverursacher der Stickoxid-Belastung, und auch andere Faktoren als der Verkehr spielen bei hohen Messwerten von Feinstaub und Stickoxid eine große Rolle, sagt Prof. Astrid Kiendler-Scharr, Direktorin am Institut für Troposphärenforschung des Forschungszentrums Jülich in einem Interview. Fahrverbote für Pkw sind ihrer Meinung nach nicht die Lösung des Problems.

Aufhänger dieses Interviews war der erste Smog-Alarm in Deutschland vor genau 40 Jahren. Die Luft im Ruhrgebiet war besonders stark verschmutzt. Seither hat sich die Luftqualität stark verbessert. Welche Maßnahmen halfen und wie heute Emissionen aus dem Verkehr die Luft belasten, erläutert Prof. Astrid Kiendler-Scharr, Direktorin am Institut für Troposphärenforschung des Forschungszentrums Jülich, im Interview.

Was waren die Ursachen für den ersten Smog-Alarm?

Prof. Kiendler-Scharr: Der Smog-Alarm vor 40 Jahren war der Kategorie „London Smog“ zuzurechnen, so benannt nach dem schweren Smog-Event in London im Winter 1952. Die Ursachen damals waren eine Mischung aus Emissionen – insbesondere Schwefeldioxid aus Kraftwerken, Hausbrand und Industrie – und das Auftreten einer sogenannten Inversionswetterlage, bei der sich Schadstoffe durch den geringen Austausch von Luft besonders anreichern.

Welche Maßnahmen haben damals geholfen?

Prof. Kiendler-Scharr: Insbesondere die konsequente Abgasreinigung, aber auch das Entschwefeln von Treibstoffen wie Benzin und Diesel haben dazu geführt, dass Schwefeldioxid hierzulande kein Luftqualitätsproblem mehr darstellt.

Smog-Alarm: Ist das eine Sache der Vergangenheit? Oder wie sehen die Probleme heute aus?

Prof. Kiendler-Scharr: Smog-Alarm, sowohl im Winter als auch im Sommer, gehört zwar der Vergangenheit an, es gibt aber auch weiterhin Überschreitungen von Grenzwerten der Luftqualität: Stickoxide und Feinstaub sind heute das Hauptproblem. Die Weltgesundheitsorganisation WHO stuft die Feinstaubbelastung als eines der größten umweltbezogenen Gesundheitsrisiken ein.

Wo sind die Probleme in Deutschland am größten, und woran liegt das?

Prof. Kiendler-Scharr: Sowohl für Stickoxide als auch für Feinstaub gibt es große Quellen aus dem Verkehr. Dadurch werden die Grenzwerte in verkehrsnahen Lagen oft überschritten. Wie auch schon in der Vergangenheit und in anderen Regionen der Welt ist das Aufeinandertreffen von starken Emissionen und bestimmten meteorologischen Situationen oftmals Auslöser für besondere Belastungen. Talkessellagen wie in Stuttgart sind hier besonders oft betroffen.

Was müsste aus wissenschaftlicher Sicht passieren, um die Probleme zu bekämpfen? Sind Fahrverbote die große Lösung?

Prof. Kiendler-Scharr: Um die Belastung durch Stickoxide zu reduzieren, muss der Verkehrssektor als Ganzes betrachtet werden. Unsere Messungen im Straßenverkehr legen nahe, dass der PKW-Verkehr nicht Hauptverursacher der Stickoxid-Belastung ist. Eine Umstellung insbesondere des öffentlichen Nahverkehrs und des Lieferverkehrs auf alternative Antriebstechniken – Stichwort E-Mobilität – kann hier große Beiträge leisten.

Ein Gedanke zu „Pkw-Fahrverbote sind nicht die Lösung

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,
    Es ist seit Jahren bekannt, dass sehr wohl der Pkw-Fahrer der Hauptverursacher der NO2 Belastung an den Messstellen mit Grenzwertüberschreitung ist. Gutachterlich belegt ist außerdem, dass Fahrverbote hier der effektivste Weg zur Reduzierung sind, wohingegen andere Maßnahmen (u.a. den ÖPNV betreffend) kaum Effekte zeigen.
    Ich würde mich sehr freuen, wenn den seit Jahren vorliegenden, wissenschaftlich belegten Fakten mehr Beachtung geschenkt würde!
    Mit freundlichen Grüßen

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