Kommentar

Kalenderwoche 49

Guten Tag, liebe Leser,

man hatte es erwartet. Seit längerem. Nun hat er es getan: Horst Seehofer hat angekündigt, sein Amt als Ministerpräsident abzugeben. Ausgerechnet und tatsächlich an seinen Erzrivalen Markus Söder.

Der soll nun CSU-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl im Herbst werden. Somit kann Söder dann mit Amtsbonus in die Wahl gehen, denn Seehofer will Frühjahr als Regierungschef zurückzutreten. Ist dies nun menschliche Größe oder politische Taktik? Sein Rücktritt verfolgt ein Parteiziel: Seehofer selbst soll als Parteichef weiter dafür sorgen, dass die CSU in Berlin in einer möglichen, neuerlichen Großen Koalition nicht unter die Räder gerät.
Mit einer starken CSU in Berlin, die Ziele in der Koalition durchsetzt, wird auch die CSU in Bayern bei der Wahl stark sein. Das erhoffen sich die Strategen so.

Das die CSU derzeit so schlecht in Bayern dasteht, hat mit dem jahrelangen Seehofer gegen Söder zu tun. Das nämlich war nur ein Ringen zweier übergroßer Egos. Nie ging es um die Frage, mit welchen Inhalten die CSU verhindern will, dass ihr Grüne und AfD gleichzeitig Wähler abnehmen. Hat Söder je eine Idee oder einen Vorschlag geliefert, was er in Bayern und in der CSU zukünftig anders machen will? Nein, hier nämlich ging es nur ums Ego, nie um politische Inhalte.

Seehofer zieht nun zurück, weil er nicht mehr stark genug ist, Söder zu verhindern. Herausgekommen ist nun eine CSU- Doppelspitze, eine Ämtertrennung

Aber diese neue Doppelspitze ist auch eine der Schwäche der CSU. Denn sie zeigt: Seehofer muss bleiben, weil die Partei Söder nicht zutraut, allein die absolute Mehrheit zu verteidigen. Söder kann die AfD schrumpfen lassen, doch was denkt der liberale Bayer aus dem Bürgertum oder den katholischen Flügel der Partei über ihn? Eigentlich hat er dort kaum Sympathien.

Was sicherlich nicht passiert: Dass Seehofer und Söder vertrauensvoll zusammenarbeiten. Nein, man wird die Fehde weiter austragen. Nur weniger offen. Schaden wird das am Ende der CSU. Denn sie wird schwächer werden.

Ihnen eine angenehme Woche

Ihr Reinhold Haimüller