HückelhovenKreis Heinsberg

50 Jahre Hückelhoven: „Wer in Hückelhoven etwas bewegen will, werden keine Steine in den Weg gelegt“

Wie keine andere Stadt in der Region hat sich die Stadt Hückelhoven in den letzten 50 Jahren verändert. Der Wandel von der Zechenstadt zu einer attraktiven Einkaufsstadt, die für viele Unternehmen als Standort interessant ist, kann man überall sehen. Wir sprachen mit Bürgermeister Bernd Jansen

Schon 1970 hat Hückelhoven begonnen, Industrie- und Gewerbeflächen gezielt zu vermarkten und Gewerbe anzusiedeln. Heute steht Hückelhoven bei Industrieansiedlungen glänzend da. Sind damit die 50 Jahre Stadt Hückelhoven nicht sogar eine Erfolgsgeschichte von der 1. Stunde an?

Viele Menschen, die nicht direkt mit Hückelhoven verbunden sind, kennen lediglich das „neue“ Hückelhoven. Damit meine ich das Hückelhoven, welches sich nach der Zechenschließung entwickelt hat. Aber es gibt auch immer ein davor und deshalb sollte man den Wandel in Hückelhoven, von der Bergbaustadt zur Einkaufsstadt und zum Wirtschaftsstandort, über einen längeren Zeitraum sehen.

Selbstverständlich hat Hückelhoven schon in den 70-iger-Jahren den Grundstein zum heutigen Ist-Status gelegt. Schon damals, unter dem Eindruck der Steinkohlenkrise und der anschließenden Stahlkrise im Ruhrgebiet, haben wir in Hückelhoven gehandelt und mit der zielgerichteten Vermarktung von Industrie- und Gewerbeflächen begonnen. So entstanden in einem Vierteljahrhundert zum Beispiel in Baal mehr als 100 ha entsprechende Fläche und im Bereich der Rheinstraße wurden 35 ha Fläche erschlossen. Nicht zu vergessen die „kleineren“ Gewerbegebietsflächen in Brachelen, Hilfarth, Ratheim und Schaufenberg.

Im Jahr 1994, drei Jahre vor der eigentlichen Zechenschließung, wurde die Interkommunale Entwicklungsgesellschaft Hückelhoven-Wassenberg gegründet. Über 10 Jahre wurden anschließend alle notwendigen Maßnahmen durchgeführt, die für eine gewerbliche Nutzung der ehemaligen Bergbauflächen notwendig waren. Die IEG entwickelte in Ratheim 40 ha neue Industrie- und Gewerbeflächen sowie im Zentrum Hückelhovens rund 15 ha für den Einzelhandel.

Die Entwicklung der vergangenen Jahre trägt Früchte. Noch nie hatten so viele Hückelhovenerinnen und Hückelhovener einen guten sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz in der Stadt. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen konnte zudem gesenkt werden. Die Unternehmen in Hückelhoven haben volle Auftragsbücher, die Bilanzen können sich sehen lassen. Auch der Einzelhandel und der Dienstleistungssektor weisen eine positive Entwicklung auf.

 

Hückelhovens Entwicklung und damit der gelungene Strukturwandel werden überall lobend hervorgeheben. Worauf führen Sie den Erfolg zurück? Was machen Sie anders wie andere?

Die Geschichte unserer Stadt ist natürlich sehr eng mit dem Bergbau und der Zeche Sophia-Jacoba verbunden. Als vor 22 Jahren die Maschinen auf der Zeche für immer stillstanden, hatten wir gar keine andere Wahl, als gemeinsam an die Zukunft zu glauben und anzupacken. Denn das, was die Kumpel auf Sophia-Jacoba vorgelebt haben, nämlich Zusammenhalt und Kameradschaft, genau das haben alle, die mit dem Strukturwandel anschließend zu tun hatten, auch verinnerlicht.

Dabei hat Hückelhoven aber nie seine Tradition aus den Augen verloren. Trotzdem musste man nach 90 Jahren Kohleförderung eine neue Richtung einschlagen. Wir waren in Hückelhoven gezwungen, neu zu denken, modern zu denken und haben uns getraut, den Wandel als Chance für unsere Stadt zu sehen. Ich möchte uns überhaupt nicht mit anderen vergleichen. Aber es macht natürlich stolz, wenn wir immer wieder gerade von „Externen“ für die Entwicklung gelobt werden.

Wer in Hückelhoven etwas bewegen möchte, dem werden keine Steine in den Weg gelegt. Wir sehen uns als Dienstleister und Problemlöser. Die Zusammenarbeit mit dem kompletten Stadtrat funktioniert hervorragend. Dadurch haben wir in Hückelhoven kurze Entscheidungswege. Und erteilen auch schon mal Baugenehmigungen in 6 Wochen Bearbeitungszeit.

 

Auch beim Thema Veranstaltungen ist Hückelhoven die Nummer 1 im Kreis Heinsberg. Mit der Aula, dem Rathausplatz und dem Gelände von Schacht 3 hat Hückelhoven drei Locations, die eigentlich jede andere Stadt auch zu bieten hat. In Hückelhoven aber geben sich die Stars die Klinke in die Hand. Auch hier die Frage: Was macht Hückelhoven anders?

Ein Gelände wie an Schacht 3 ist aber schon etwas Außergewöhnliches. Die ehemaligen Kumpel des Fördervereins Sophia-Jacoba waren die ersten, die das Gelände mit ihren ganz speziellen Flohmärkten weiterhin nutzten. Bis heute erfreuen sich diese Märkte einer großen Beliebtheit.

Seit 2008 findet immer an einem Wochenende im September die Hückelhovener WEP Autokinonacht an Schacht 3 statt. Über 14-Tausend Besucher haben dieses, für die Region einzigartiges, Event schon besucht.

Seit letztem Jahr ist mit der „SommerMusikSchacht3“ ein echtes überregionales Großereignis auf dem ehemaligen Zechengelände dazu gekommen. Nationale und internationale Stars, wie James Blunt, Johannes Oerding oder in diesem Jahr Roland Kaiser, Gregor Meyle oder Angelo Kelly kommen nach Hückelhoven und spielen Open-Air-Konzerte vor der historischen Kulisse des Schachts. Auch diese kulturelle Entwicklung ist das Resultat jahrelanger akribischer Teamarbeit. So etwas machen nicht ein oder zwei Leute, solche Veranstaltungen werden von vielen unterschiedlichen kreativen Köpfen in enger Zusammenarbeit realisiert. Auch hier spielt wieder das „Wir“-Gefühl eine große Rolle.

Unsere Aula mit über 700 Sitzplätzen ist auch seit Jahren eine überaus erfolgreiche Location für Messen, Ausstellungen, Foren, Theater, Comedy oder Konzerte. Besucher, wie Veranstalter kommen gerne zu uns nach Hückelhoven. Schließlich haben sich auch die Plätze rund um das Rathaus in Hückelhoven als Veranstaltungsstätte etabliert. Denken Sie zurück an Ray Wilson, den ehemaligen Leadsänger der Gruppe Genesis, oder die Konzerte mit Brings und den Höhnern bei unserem CityFest „Hückelhoven brummt!“. Die Konzerte werden hier für die Besucher kostenlos angeboten. Dass die Künstler immer wieder gerne zu uns kommen, beweisen z. B. die Kölschen Jungs von Brings.

Am 6. September kommen sie immerhin schon zum dritten Mal nach Hückelhoven. Und Guildo Horn mit seinen „Orthopädischen Strümpfen“ feiert mit uns „50 Jahre Stadtrechte“ am 25. Mai, abends, mit einem Open-Air-Konzert auf dem Breteuilplatz am Rathaus (bei freiem Eintritt)

 

50 Jahre in die Zukunft blicken können wir nicht. Aber wo soll und könnte Hückelhoven beim 60. Geburtstag stehen? Welche Zukunftsvision haben Sie?

Man entwickelt sich stetig weiter, egal ob als Mensch, als Gruppe oder auch als Stadt. Mein Leitspruch lautet: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.

Deshalb ist der Blick bei uns immer nach vorne gerichtet. Der Strukturwandel hört nicht plötzlich auf, es ist ein stetig fortschreitender Prozess.

Mein Wunsch für die Zukunft ist es, dass wir mit den Menschen unserer Stadt zusammen als Verwaltung und Politik den eingeschlagenen Weg weitergehen. Dass uns die Ideen nie ausgehen, dass wir mit Zusammenhalt und Freude Hückelhoven weiterhin lebens- und liebenswert machen. Auch wenn wir hier und da vielleicht mal an unsere Grenzen stoßen und Rückschläge verkraften müssen, Hückelhoven hat gelernt, zu kämpfen und zusammenzustehen. Mit Innovation und Mut hat Hückelhoven sich gut positioniert und seinen Markenkern herausgearbeitet.

Über allem steht das friedliche Miteinander in unserer Stadt. Wir waren schon immer eine multikulturelle Stadt mit über 100 Nationen und werden auch in den nächsten Jahren dafür stehen, dass Menschen aller Glaubensrichtungen und Kulturen bei uns vorbildlich zusammenleben. Respekt, Toleranz, Menschlichkeit und Wertschätzung, dafür wird Hückelhoven auch weiterhin stehen.

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