Kreis Heinsberg

So hart arbeiten die jecken Spaßmacher

Ausgelassen feiern, schunkeln und singen, dazu den vielen Tänzern und Büttenrednern zujubeln – das alles gehört ganz natürlich zum Karneval. Doch damit jeder von uns sich mit Spaß und Freud auch mal gehen lassen kann, dafür schwitzen im Hintergrund zahlreiche helfende Hände. Ohne sie wäre weder die Sitzung, noch der Auftritt des Prinzen oder der Zug am Tulpensonntag oder Rosenmontag möglich. Die HS-WOCHE hat exemplarisch drei der vielen „Spaßmacher“ herausgesucht, die hinter den Kulissen stundenlang arbeiten und viel organisieren, damit auch nichts schief geht. Dabei ist man durchaus überrascht, wieviel Arbeit der Karneval doch macht und mit wieviel Demut und Zurückhaltung diese ehrenamtlich arbeitenden Menschen im Kreis Heinsberg für die perfekte Karnevalsstimmung sorgen.

Eine von ihnen ist Monika Lammertz. Die 55-Järhige ist Adjutantin von Prinz Gerd I. und Prinzessin Irene I der KG Lo se loope in Immendorf. „Dass ich Adjutantin werden würde, wusste ich schon Mitte 2016“, erinnert sie sich. Damals kam der aktuelle Prinz auf sie zu mit einer ganz klaren Aussage: „Ich werde nur Prinz, wenn Monika und Heike die Adjutantinnen werden“,die zweite Dame ist Heike Hermanns, die zusammen mit Monika Lammertz das Prinzenpaar bei jedem Auftritt begleitet. Beide sind mit den Tollitäten schon lange befreundet und genau das ist auch wichtig. „Das Paar sucht sich die Adjutantinnen immer selbst aus und es muss persönlich einfach passen.“ Denn im Karneval verbringen alle vier mehr Zeit miteinander, als mit sonst jemandem.

Bei jedem Auftritt schlagen die beiden Helferinnen gut eine Stunde vorher beim Prinzenpaar auf. „Wir helfen den beiden dann ins Ornat, sprechen über den anstehenden Termin und müssen alles einpacken, was die beiden benötigen.“ Zepter und Prinzenfedern sind dabei die wichtigsten Utensilien, auf die Monika Lammertz aufpassen muss. Dazu kommen dann manchmal auch Wurfmaterial und natürlich die Orden, die der Prinz verteilt. Dann geht es mit dem Auto zum Termin. „Glücklicherweise haben wir in diesem Jahr einen Fahrer, sodass wir das Paar nicht selbst fahren müssen. Das ist aber Luxus.“ Vor Ort stehen die beiden dann oft mit auf der Bühne und feiern mit dem Prinzenpaar den Auftritt. „Wir bleiben danach auch immer so lange, wie der Prinz bleiben möchte“, ihr selbst ist es zwar noch nicht passiert, aber sie kennt Adjutantinnen, die gerne früher nach Hause gefahren wären, aber der Prinz wollte noch nicht los. Bei mehreren Auftritten hintereinander ist es aber auch Lammertz Aufgabe, die Tollitäten an die drängende Zeit zu erinnern.

Nach der Feier geht es dann zurück zum Prinzen nach Hause, wo die Adjutantinnen dem Paar wieder aus dem Ornat helfen und alles für den nächsten Auftritt vorbereiten. In der diesmal sehr kurzen Session kommen an den wenigen Wochenenden locker 50 Termine zusammen. „Ich lebe in dieser Zeit nur nach dem Terminplan des Prinzen.

Ganz so voll ist der Terminplan von Guido Gottschalk nicht. Der Vorsitzende des Karnevalsvereins „La Stada Olé“ aus Straeten ist mit einem ganzen Team für die Sitzungen des Vereins zuständig. Insgesamt vier Sitzungen gilt es zu stemmen und vor allem in der Vorbereitung muss Gottschalk die Fäden zusammen halten. „Die Session beginnt für uns eigentlich schon kurz nach der Fastenzeit“, erklärt der 41-Jährige. Denn dann kommt der Verein zusammen und spricht über alles, was in der zurückliegenden Karnevalszeit gut und was schlecht war. Mit dieser Manöverkritik beginnen auch die direkt die neuen Planungen. Denn schon im März muss für alle Sitzungen die Turnhalle bei der Stadt blockiert werden. Dort feiert La Strada Olé und ohe die Halle gäbe es die Sitzungen nicht. „Im Sommer werden die externen Gruppen für die Sitzungen eingekauft“, zwar stehen bei La Strada Olé auch viele Vereinsmitglieder und befreundete Karnevalsvereine auf der Bühne, doch der eine oder andere Auftritt wird von außen dazu geholt. „Man möchte das Programm ja auch abwechslungsreich gestalten und nicht jedes Jahr das gleiche sehen.“

Ab September muss Gottschalk dann an die Einladungen denken. Denn die vielen befreundeten Karnevalsgesellschaften müssen frühzeitig informiert und eingeladen sein, damit sie sich den Termin auch schon eintragen können. Während sich eigentlich alle im Herbst auf die kommende ruhige Jahreszeit vorbereiten, sitzt Gottschalk an den Plänen für Karneval. Bei der Stadt muss er Bühnenelemente anmelden, den Ausschank für die Sitzungen organisieren, Orden bestellen und Stühle und Tische mieten. „Spätestens ab Oktober bin ich täglich damit beschäftigt.“ Wenn dann, wie am vergangenen Wochenende, die einzelnen Sitzungen laufen, kann sich Gottschalk zufrieden zurücklehnen und sich freuen, dass wieder alles geklappt hat.

Zu diesem Zeitpunkt steigt bei Sven Grünter so langsam der Puls. Der Karnevalist der Ratheimer KG All onger eene hoot ist für den größten Zug im Kreis Heinsberg verantwortlich. Seit letztem Jahr leitet Grünter den Tulpensonntagszug. 60 bis 70 Gruppen ziehen am 11. Februar wieder durch den Ort und damit auch alles reibungslos funktioniert ist eine Menge Arbeit notwenig. Ab Ende Oktober beginnt für Grünter die heiße Planungsphase. Mit der Einladung der Wagenbauer zu einer ersten Besprechung geht es los. Denn für die einzelnen Wagen gelten feste Regeln. „Jeder Wagen, auf dem auch Menschen im Zug stehen, muss vom TÜV abgenommen werden.“ Ohne diese Zulassung darf keine teilnehmen. Glücklicherweise sind die meisten Wagenbauer seit Jahren dabei, sodass Grünter hier selten auf Probleme stößt.

Wer tatsächlich beim Zug dabei sein wird, weiß Grünter aber erst zwei Wochen vor dem Zug. Bis dahin haben alle Wagenbauer und Gruppen Zeit, sich anzumelden. Bei dieser Anmeldung muss aber das TÜV-Gutachten auch schon vorliegen. Während sich die einzelnen Gruppen also um ihren Auftritt im Zug kümmern, muss Grünter das Drumherum klären. Denn der Tulpensonntagszug muss rechtzeitig beim Ordnungsamt angemeldet werden. Dafür benötigt Grünter eine spezielle Versicherung, den genauen Zugweg und alle Zeiten, die geplant sind. „Um den Rest kümmert sich dann das Ordnungsamt. Die Polizei muss ich also nicht extra informieren.“ Aber Grünter spricht mit THW und einer Sicherheitsfirma, die beide den Zug begleiten. Und für alle Gruppen hat der Zugchef noch eine Notfallnummer für so genannte „Wagenengel“. „Das sind die Leute, die mit den Wagen an den Rädern mitgehen und aufpassen, dass niemand darunter gerät.“ Denn die Fahrer in den Traktoren sehen in der Regel zu wenig. Zusätzlich muss er LKW besorgen, die seit vergangenem Jahr Pflicht zum Schutz vor Terroranschlägen sind.

Am morgen vor dem Zug zieht Grünter dann mit mehreren Helfern los und organisiert die Aufstellung des Zuges. Alle Wagennummern werden verteilt, damit jeder weiß wo er starten wird. Wenn dann die einzelnen Gruppen ankommen, geht es zur Lautstärkenmessung. Jede Gruppe, die mit einer Stereoanlage den Zug anheizt wird überprüft. Ist es zu laut, dreht Grünter am Regler. Und auch bei der Musik herrschen feste Regeln. Schlager, Karnevalslieder und Ballermannmusik darf gespielt werden, mehr nicht. Wenn der Zug dann endlich rollt, beginnt für Grünter der entspannte Teil. An der Zugspitze ist er zwar immer noch hauptverantwortlich, aber dann kann auch der Zugchef Karneval genießen.

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