Bitte geben Sie einen Suchbegriff ein:

05.09.2010

HS-Woche: NACHRICHTEN AUS IHRER REGION - Leser-Meinungen

Foto: Thema: THILO SARRAZIN

Ulrich Fleitmann aus Düren schreibt:

Thema: THILO SARRAZIN

22.04.2010

Tatsächlich haben wir in Deutschland ein Riesenproblem damit, unbequeme Wahrheiten anzusprechen. Wir haben sogar ein Problem damit, einfach nur angemessen mit Fakten umzugehen. Als Herr Dr. Sarrazin vor Monaten in Funk und Presse wegen seiner Einschätzungen zur Berliner Situation geradezu zerrissen wurde, wollte ich wissen, wie korrekt man mit seinen Äußerungen umgegangen ist. Mit viel Mühe beschaffte ich mir den Wortlaut des im Lettre International 10/2009 veröffentlichten Interviews.

Wie vermutet, waren dort viele klare und abgewogene Statements eines Mannes zu lesen, der ein Kenner der Materie ist und weiß, wovon er spricht. Was ist so verwerflich daran, wenn jemand die absolut offensichtlichen Probleme anspricht? Dr. Sarrazin hat natürlich seinen eigenen Stil, aber den darf er ruhig haben, solange er sich fundiert äußert. Und das hat er getan, er wird es hoffentlich auch künftig tun. Es gibt keinen Anlaß, daß sich Berufs-Gutmenschen über Faktenveröffentlichung empören. Noch viel weniger Grund gibt es, Experten wie Herrn Sarazin in eine Ecke zu stellen, in die er nicht gehört.

Ja, Herr Haimüller, wir brauchen mehr Sarrazins.



HIER DER oben kommentierte BEITRAG VON HS-WOCHE-Chef Reinhold Haimüller zum Thema „Thilo Sarrazin“ vom 14.4.2010

Thilo Sarrazin provoziert gerne. Der ehemalige  Finanzsenator von Berlin, der heute Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank ist, redet über „Kopftuchmädchen“, „türkische Wärmestuben“ und den „türkischen Gemüsehandel“ als einzige sinnvolle Aufgabe für Zuwanderer aus der Türkei (wobei er dies alles auf Berlin bezieht). Wenn Sarrazin spricht, regt sich Deutschland auf. Die einen sind für ihn, die anderen dagegen.

Zweimal Hausaufgaben nicht gemacht, Kindergeld um 50 Prozent gekürzt“, so Sarrazins Vorschlag, der insbesondere auf Familien und Jugendliche mit Migrationshintergrund abzielt. Oder: „Integration ist zu 80 Prozent eine Bringschuld und keine Holschuld.“ Die allgemeine Empörung, wenn er Hartz IV-Empfängern rät mal weniger heiß zu duschen oder auch, dass selbstverständlich ein Arbeitsloser morgens aufstehen könne, um seinen Kindern Schulfrühstück zu machen.

Diese Empörung ist allerdings beabsichtigt. Sie ist Teil einer Strategie von Thilo Sarrazin, der genau weiß, welche seiner Sätze besondere Wirkung haben. In den Medien und in der Öffentlichkeit. Er zieht so die Hebel, die man „Empörung“ nennt.

Denn es gibt in Deutschland Tabuthemen. Dinge, die man besser nicht öffentlich an- und ausspricht. Die deutsche Vergangenheit gehört dazu. Die Welle der Empörung (und die kommt dann von eigentlich allen Seiten) ist gewaltig. Zu vielen, die glaubten einen guten Stand und viele Sympathisanten im Hintergrund zu haben, wurden hier schon getäuscht. Ihr Abgang aus der Öffentlichkeit, aus Ämtern aus Jobs war die Folge. Zu schnell fallen die Schlagworte, die den oft gutgläubigen Tabubrecher in eine bestimmte Ecke stellt. Und aus der kommt er nicht mehr raus.

In unserer Gesellschaft gibt es Gruppen, die entscheiden, was politisch korrekt und was unkorrekt ist. Kurz: was man sagen darf und was nicht. Sie schaffen diese Tabuthemen. Einige offensichtlich Benachteiligte gehören zu den Gruppen, die hier besonderen Schutz genießen. Dazu gehöre auch Hartz IV-Empfänger und Problemfälle mit Migrationshintergrund.

Denn ein (verbaler) Angriff auf diese Gruppen, und auch wenn es nur eine Überprüfung der Rechte ist, wenn es nur die Nachfrage ist, ob bestimmt Dinge wirklich so sind, tatsächlich gefördert werden müssen oder ob hier nicht der Benachteiligte auch eine Mitschuld trägt, führen zum medialen und öffentlichen Aufstand.

Und genau davon lebt Sarrazin. Und das weiß er. Seine Wahrheiten (durchaus persönliche Ansichten und keine allgemeingültigen Aussagen) führen stets zu diesem Aufschrei der Gerechten. Eben weil er Tabus anspricht, aber eigentlich nur ankratzt.

Vielleicht brauchen wir nur mehr Sarrazins in Deutschland. Männer und Frauen, die unbequeme Wahrheiten an- und aussprechen, die Tabus des Denkens, uns auferlegt von den Ewiggerechten, brechen. Dann werden solche Sätze, wie die eines Thilo Sarrazin nicht nur zum Aufschrei der Empörten, sondern zu tatsächlichen Diskussionen und zum Nachdenken führen.


Ihnen eine angenehme Woche
Ihr
Reinhold Haimüller

versenden Artikel an folgende E-Mail-Adresse versenden: 

drucken Artikel drucken

kommentieren Kommentieren Sie diesen Artikel

Ihr Kommentar



HS-Woche: Weitere NACHRICHTEN der Ausgabe Leser-Meinungen