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HS-Woche: NACHRICHTEN AUS IHRER REGION - Leser-Meinungen
22.04.2010
Bravo zu diesem Kommentar. Hoffentlich werden Sie nicht auch, wie man es bei T. Sarrazin u. a. versucht, nun mundtot gemacht, und sei es allein wegen Ihrer Äußerung "Vielleicht brauchen wir nur mehr Sarrazins in Deutschland".
Interessant war, dass man nach einer "Hart-aber-fair"-Folge, in
der über die Äußerungen Sarrazins diskutiert wurde, auf der
Internetseite der Sendung lesen konnte, eine große Mehrheit der
Zuschauer sei mit diesen Äußerungen in der Sache einverstanden gewesen,
Sarrazin habe sie nur vielleicht zu drastisch formuliert.
Wo ist diese Mehrheit, wenn es darauf ankommt? Warum lässt sie sich den
Mund verbieten? Haben alle Angst, als Mini-Adolf verunglimpft zu werden,
auch wenn sie keine Neo-Nazis usw. sind, sondern nur ein paar Tatsachen
benennen wollen?
Die "Unantastbaren", d.h. Problem-Migranten
und Hartz-IV-Empfänger, freuen sich?
Vielleicht ist es aber auch so, dass die Letztgenannten mittlerweile
wahlentscheidend sind, dass Migranten mit deutschen Pass und
Hartz-IV-Empfänger und deren Angehörige jede für sie ungünstige
politische Entscheidung blockieren können. Ähnliches gilt vielleicht für
die zahlreichen Leute, die in ständiger Angst leben, bald selbst z.B.
wegen Jobverlusts zu dieser Personengruppe zu gehören, dann aber auch
deren "Vorzüge", wie den Empfang von Transferleistungen, "genießen"
wollen.
Offenbar gibt es ? vielleicht wegen der oben erwähnten Angst ? auch
keinen Zusammenhalt unter den Millionen von Wählern, die Tag für Tag,
Jahr für Jahr einer Arbeit nachgehen, dabei ggf. immer schlechtere
Konditionen hinnehmen und darüber hinaus eine immer größere Masse an
Menschen mit finanzieren müssen, die zusammen mit den sie
unterstützenden "Gutmenschen" natürlich äußerst empört sind, wenn
Äußerungen wie diejenigen von Sarrazin kommen, die Bringschuld,
Eigeninitiative usw. fordern.
Komisch, wie sich in nur einem halben Jahrhundert die Ansichten
so sehr ändern konnten. Ich (Jahrgang 1957) kann mich daran erinnern,
dass in meiner ersten Lebenshälfte in meinem Umfeld eine gewisse Freude
an der Arbeit und der damit verbundenen "Pflichterfüllung" vorhanden
war; man arbeitete viel, war in der Regel stolz auf seine Tätigkeit und
konnte sich dadurch etwas leisten, z.B. Hausbau, Auto, Urlaub usw.
Irgendwann muss es eine grundsätzliche Veränderung im Denken
weiter Teile der Bevölkerung gegeben haben, hin zur
Transfergesellschaft. Der Empfang von Arbeitslosengeld, Hartz IV oder
Sozialhilfe ohne jegliche Gegenleistung und über Jahre, vielleicht
Jahrzehnte hinweg wird als selbstverständlich gefordert; Leute rühmen
sich in Talkshows, das System überlistet zu haben; Schüler, die man zu
mehr Leistung auffordert, antworten, dass sie ja doch irgendwann
Hartz-IV-Empfänger werden und davon ja wohl ganz gut werden leben
können?
Natürlich will ich mit diesen Zeilen NICHT den Eindruck erwecken, dass
ich glaube, auch nur ein einziger Hartz-IV-Empfänger könne NICHT absolut
arbeitsgeil und leistungsorientiert sein (wenn man ihn nur ließe!).
Ebensowenig möchte ich den Eindruck erwecken, auch nur ein einziger
Migrant könne Probleme machen!
HIER DER oben kommentierte BEITRAG VON HS-WOCHE-Chef Reinhold Haimüller zum Thema „Thilo Sarrazin“ vom 14.4.2010
Thilo Sarrazin provoziert gerne. Der ehemalige Finanzsenator von
Berlin, der heute Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank ist, redet
über „Kopftuchmädchen“, „türkische Wärmestuben“ und den „türkischen
Gemüsehandel“ als einzige sinnvolle Aufgabe für Zuwanderer aus der
Türkei (wobei er dies alles auf Berlin bezieht). Wenn Sarrazin spricht,
regt sich Deutschland auf. Die einen sind für ihn, die anderen dagegen.
Zweimal
Hausaufgaben nicht gemacht, Kindergeld um 50 Prozent gekürzt“, so
Sarrazins Vorschlag, der insbesondere auf Familien und Jugendliche mit
Migrationshintergrund abzielt. Oder: „Integration ist zu 80 Prozent eine
Bringschuld und keine Holschuld.“ Die allgemeine Empörung, wenn er
Hartz IV-Empfängern rät mal weniger heiß zu duschen oder auch, dass
selbstverständlich ein Arbeitsloser morgens aufstehen könne, um seinen
Kindern Schulfrühstück zu machen.
Diese Empörung ist allerdings
beabsichtigt. Sie ist Teil einer Strategie von Thilo Sarrazin, der genau
weiß, welche seiner Sätze besondere Wirkung haben. In den Medien und in
der Öffentlichkeit. Er zieht so die Hebel, die man „Empörung“ nennt.
Denn
es gibt in Deutschland Tabuthemen. Dinge, die man besser nicht
öffentlich an- und ausspricht. Die deutsche Vergangenheit gehört dazu.
Die Welle der Empörung (und die kommt dann von eigentlich allen Seiten)
ist gewaltig. Zu vielen, die glaubten einen guten Stand und viele
Sympathisanten im Hintergrund zu haben, wurden hier schon getäuscht. Ihr
Abgang aus der Öffentlichkeit, aus Ämtern aus Jobs war die Folge. Zu
schnell fallen die Schlagworte, die den oft gutgläubigen Tabubrecher in
eine bestimmte Ecke stellt. Und aus der kommt er nicht mehr raus.
In
unserer Gesellschaft gibt es Gruppen, die entscheiden, was politisch
korrekt und was unkorrekt ist. Kurz: was man sagen darf und was nicht.
Sie schaffen diese Tabuthemen. Einige offensichtlich Benachteiligte
gehören zu den Gruppen, die hier besonderen Schutz genießen. Dazu gehöre
auch Hartz IV-Empfänger und Problemfälle mit Migrationshintergrund.
Denn
ein (verbaler) Angriff auf diese Gruppen, und auch wenn es nur eine
Überprüfung der Rechte ist, wenn es nur die Nachfrage ist, ob bestimmt
Dinge wirklich so sind, tatsächlich gefördert werden müssen oder ob hier
nicht der Benachteiligte auch eine Mitschuld trägt, führen zum medialen
und öffentlichen Aufstand.
Und genau davon lebt Sarrazin. Und
das weiß er. Seine Wahrheiten (durchaus persönliche Ansichten und keine
allgemeingültigen Aussagen) führen stets zu diesem Aufschrei der
Gerechten. Eben weil er Tabus anspricht, aber eigentlich nur ankratzt.
Vielleicht
brauchen wir nur mehr Sarrazins in Deutschland. Männer und Frauen, die
unbequeme Wahrheiten an- und aussprechen, die Tabus des Denkens, uns
auferlegt von den Ewiggerechten, brechen. Dann werden solche Sätze, wie
die eines Thilo Sarrazin nicht nur zum Aufschrei der Empörten, sondern
zu tatsächlichen Diskussionen und zum Nachdenken führen.
Ihnen
eine angenehme Woche
Ihr
Reinhold Haimüller
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