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09.09.2010

HS-Woche: NACHRICHTEN AUS IHRER REGION - Leser-Meinungen

Foto: Thema THILO SARRAZIN

Thilo Sarrazin

Michael Vent aus Erkelenz:

Thema THILO SARRAZIN

22.04.2010

Bravo zu diesem Kommentar. Hoffentlich werden Sie nicht auch, wie man es bei T. Sarrazin u. a. versucht, nun mundtot gemacht, und sei es allein wegen Ihrer Äußerung "Vielleicht brauchen wir nur mehr Sarrazins in Deutschland".

Interessant war, dass man nach einer "Hart-aber-fair"-Folge, in der über die Äußerungen Sarrazins diskutiert wurde, auf der Internetseite der Sendung lesen konnte, eine große Mehrheit der Zuschauer sei mit diesen Äußerungen in der Sache einverstanden gewesen, Sarrazin habe sie nur vielleicht zu drastisch formuliert. Wo ist diese Mehrheit, wenn es darauf ankommt? Warum lässt sie sich den Mund verbieten? Haben alle Angst, als Mini-Adolf verunglimpft zu werden, auch wenn sie keine Neo-Nazis usw. sind, sondern nur ein paar Tatsachen benennen wollen?

Die "Unantastbaren", d.h. Problem-Migranten und Hartz-IV-Empfänger, freuen sich? Vielleicht ist es aber auch so, dass die Letztgenannten mittlerweile wahlentscheidend sind, dass Migranten mit deutschen Pass und Hartz-IV-Empfänger und deren Angehörige jede für sie ungünstige politische Entscheidung blockieren können. Ähnliches gilt vielleicht für die zahlreichen Leute, die in ständiger Angst leben, bald selbst z.B. wegen Jobverlusts zu dieser Personengruppe zu gehören, dann aber auch deren "Vorzüge", wie den Empfang von Transferleistungen, "genießen" wollen. Offenbar gibt es ? vielleicht wegen der oben erwähnten Angst ? auch keinen Zusammenhalt unter den Millionen von Wählern, die Tag für Tag, Jahr für Jahr einer Arbeit nachgehen, dabei ggf. immer schlechtere Konditionen hinnehmen und darüber hinaus eine immer größere Masse an Menschen mit finanzieren müssen, die zusammen mit den sie unterstützenden "Gutmenschen" natürlich äußerst empört sind, wenn Äußerungen wie diejenigen von Sarrazin kommen, die Bringschuld, Eigeninitiative usw. fordern.

Komisch, wie sich in nur einem halben Jahrhundert die Ansichten so sehr ändern konnten. Ich (Jahrgang 1957) kann mich daran erinnern, dass in meiner ersten Lebenshälfte in meinem Umfeld eine gewisse Freude an der Arbeit und der damit verbundenen "Pflichterfüllung" vorhanden war; man arbeitete viel, war in der Regel stolz auf seine Tätigkeit und konnte sich dadurch etwas leisten, z.B. Hausbau, Auto, Urlaub usw.

Irgendwann muss es eine grundsätzliche Veränderung im Denken weiter Teile der Bevölkerung gegeben haben, hin zur Transfergesellschaft. Der Empfang von Arbeitslosengeld, Hartz IV oder Sozialhilfe ohne jegliche Gegenleistung und über Jahre, vielleicht Jahrzehnte hinweg wird als selbstverständlich gefordert; Leute rühmen sich in Talkshows, das System überlistet zu haben; Schüler, die man zu mehr Leistung auffordert, antworten, dass sie ja doch irgendwann Hartz-IV-Empfänger werden und davon ja wohl ganz gut werden leben können? Natürlich will ich mit diesen Zeilen NICHT den Eindruck erwecken, dass ich glaube, auch nur ein einziger Hartz-IV-Empfänger könne NICHT absolut arbeitsgeil und leistungsorientiert sein (wenn man ihn nur ließe!). Ebensowenig möchte ich den Eindruck erwecken, auch nur ein einziger Migrant könne Probleme machen!




HIER DER oben kommentierte BEITRAG VON HS-WOCHE-Chef Reinhold Haimüller zum Thema „Thilo Sarrazin“ vom 14.4.2010

Thilo Sarrazin provoziert gerne. Der ehemalige  Finanzsenator von Berlin, der heute Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank ist, redet über „Kopftuchmädchen“, „türkische Wärmestuben“ und den „türkischen Gemüsehandel“ als einzige sinnvolle Aufgabe für Zuwanderer aus der Türkei (wobei er dies alles auf Berlin bezieht). Wenn Sarrazin spricht, regt sich Deutschland auf. Die einen sind für ihn, die anderen dagegen.

Zweimal Hausaufgaben nicht gemacht, Kindergeld um 50 Prozent gekürzt“, so Sarrazins Vorschlag, der insbesondere auf Familien und Jugendliche mit Migrationshintergrund abzielt. Oder: „Integration ist zu 80 Prozent eine Bringschuld und keine Holschuld.“ Die allgemeine Empörung, wenn er Hartz IV-Empfängern rät mal weniger heiß zu duschen oder auch, dass selbstverständlich ein Arbeitsloser morgens aufstehen könne, um seinen Kindern Schulfrühstück zu machen.

Diese Empörung ist allerdings beabsichtigt. Sie ist Teil einer Strategie von Thilo Sarrazin, der genau weiß, welche seiner Sätze besondere Wirkung haben. In den Medien und in der Öffentlichkeit. Er zieht so die Hebel, die man „Empörung“ nennt.

Denn es gibt in Deutschland Tabuthemen. Dinge, die man besser nicht öffentlich an- und ausspricht. Die deutsche Vergangenheit gehört dazu. Die Welle der Empörung (und die kommt dann von eigentlich allen Seiten) ist gewaltig. Zu vielen, die glaubten einen guten Stand und viele Sympathisanten im Hintergrund zu haben, wurden hier schon getäuscht. Ihr Abgang aus der Öffentlichkeit, aus Ämtern aus Jobs war die Folge. Zu schnell fallen die Schlagworte, die den oft gutgläubigen Tabubrecher in eine bestimmte Ecke stellt. Und aus der kommt er nicht mehr raus.

In unserer Gesellschaft gibt es Gruppen, die entscheiden, was politisch korrekt und was unkorrekt ist. Kurz: was man sagen darf und was nicht. Sie schaffen diese Tabuthemen. Einige offensichtlich Benachteiligte gehören zu den Gruppen, die hier besonderen Schutz genießen. Dazu gehöre auch Hartz IV-Empfänger und Problemfälle mit Migrationshintergrund.

Denn ein (verbaler) Angriff auf diese Gruppen, und auch wenn es nur eine Überprüfung der Rechte ist, wenn es nur die Nachfrage ist, ob bestimmt Dinge wirklich so sind, tatsächlich gefördert werden müssen oder ob hier nicht der Benachteiligte auch eine Mitschuld trägt, führen zum medialen und öffentlichen Aufstand.

Und genau davon lebt Sarrazin. Und das weiß er. Seine Wahrheiten (durchaus persönliche Ansichten und keine allgemeingültigen Aussagen) führen stets zu diesem Aufschrei der Gerechten. Eben weil er Tabus anspricht, aber eigentlich nur ankratzt.

Vielleicht brauchen wir nur mehr Sarrazins in Deutschland. Männer und Frauen, die unbequeme Wahrheiten an- und aussprechen, die Tabus des Denkens, uns auferlegt von den Ewiggerechten, brechen. Dann werden solche Sätze, wie die eines Thilo Sarrazin nicht nur zum Aufschrei der Empörten, sondern zu tatsächlichen Diskussionen und zum Nachdenken führen.


Ihnen eine angenehme Woche
Ihr
Reinhold Haimüller

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