30.09.2016

Kommentar zur Woche

Guten Tag, liebe Leser

07.05.2008

Es sei einsam um die Erfolg verwöhnte Kanzlerin geworden, heißt es in den Medien. Weil sie die K-Frage herauszögert, weil sie nicht sagen will, ob sie nochmals zur Wahl antritt. Das hat viele verunsichert.

Und genau damit hat sie sich insoweit angreifbar gemacht, dass man nun diskutiert, ob die Politik Merkel wirklich so erfolgreich ist, wie geglaubt.

Dabei ist es erstaunlich, dass Angela Merkel die Antwort auf die K-Frage immer noch selbst in der Hand hat. Denn zu oft hat man in den letzten Monaten bereits vom K.O. der Kanzlerin gemunkelt. Und obwohl sie seit über einem Jahrzehnt die Macht in Händen hält, sagen laut Umfrage 42 Prozent Deutschen JA zu einer vierten Amtszeit als Kanzlerin. Das ist zwar weniger als vor einem Jahr, aber auch nicht viel weniger. Merkel ist immer noch populärer als alle anderen Politiker in Deutschland. Vor allem als der einzig ernstzunehmende Kandidat einer anderen Partei: Sigmar Gabriel.

Auch er hat die Frage nach dem Führungsanspruch noch nicht beantwortet. Sicher scheint: Er möchte schon Kanzler werden. Doch ob seine Partei ihn als Kandidaten sehen will ist ungeklärt. Was ihm nämlich in den Augen der Sozialdemokraten fehlt ist Erfolg.

Angela Merkel hat sich unterdessen in Europa (nicht in Deutschland) zu einer umstrittenen Politikerin entwickelt. Ungarn, Polen und Tschechen kritisieren ihre Flüchtlingspolitik, Griechenland wirft ihr vor, ihre Wirtschaft in den Ruin zu treiben, die Franzosen und Italiener beklagen Merkels Beharren auf der Sparpolitik. Und die Briten? Die geben Merkel Schuld am Brexit und argumentieren, sie hätte eine bessere Vereinbarung bei der Einwanderungsfrage ermöglichen können.

Sicherlich: Merkel hat Fehler gemacht, insbesondere in der Flüchtlingskrise. Doch gibt es in Europa einen anderen führenden Politiker, der derart mit Autorität und Beharrlichkeit arbeitet, der genau die Absprachen zustande bringen könnte, die für den Zusammenhalt der EU erforderlich sind? Nein. Genau darum brauchen wir wohl Merkel.

Ihnen eine angenehme Woche

Ihr
Reinhold Haimüller